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PROFESSOR FELIX NAGEL: EIN REITERLEBEN

Ehrenpräsident Nagel mit seiner Stute Laika
Professor Felix Nagel mit Laika

Seit nunmehr 70 Jahren sitzt Professor Dr. Dr. Felix Nagel auf dem Pferd. Mehr als 20 Jahre stand er dem Reitverein Pforzheim-Hohberg als Präsident vor, für seine Verdienste hat ihm sein Verein die Würde des Ehrenpräsidenten angetragen. Kein anderer kennt die lebendige Geschichte des Hohbergs so gut. Deswegen freuen wir uns, dass Professor Nagel sofort eingewilligt hat, für diese Website Rede und Antwort zu stehen. 

Militärischer Drill und die Rösser als Gefährten

1928 in Karlsruhe geboren und aufgewachsen, erreichte ihn der Ruf der Reiterei in den letzten Kriegsmonaten. Der 16-jährige Felix Nagel kam 1944 zur Karlsruher Reiterschwadron der Hitlerjugend. Nach der Ausbildung in Bahn und Gelände unterstützte er mit seinen Kameraden die kämpfenden Truppen als Meldereiter. Ein Erlebnis aus diesen Tagen rührt den heute 84-Jährigen noch immer. Eines Morgens machte sich unter den Pferden im Stall große Unruhe breit. Die Schwadron beschloss, zügig zu satteln und ins Gelände zu gehen. Die intuitive Entscheidung, der Unruhe der Pferde Beachtung zu schenken, erwies sich als goldrichtig: Keine zehn Minuten, nachdem die Reiter den Hof verlassen hatten, legten Bomben die Stallungen mit einem Volltreffer in Schutt und Asche. Verletzt wurden weder Mensch noch Tier. "Die Pferde haben mir das Leben gerettet", erinnert sich Nagel.

Schluss mit der Reiterei - Akademische Ausbildung hatte Vorrang

Nach Kriegsende war erstmal Schluss mit der Reiterei. Einerseits war sie von den Alliierten als militärische Aktivität verboten, andererseits hatten die Deutschen in den Aufbaujahren ohnehin andere Sorgen. Felix Nagel widmete sich seiner akademischen Ausbildung. 1954 wurde er in Heidelberg zum Doktor der Zahnheilkunde promoviert, zwei Jahre später folgte die Promotion zum Doktor der Medizin. 1973  folgte die Habitilation. Professor Nagel avancierte zum Chefarzt der HNO-Klinik am damaligen Krankenhaus Siloah in Pforzheim. Diese Position bekleidete er von 1974 bis 1995.

Entspannung auf dem Pferderücken

Nachdem beruflich nun alles geordnet war, suchte der Chefarzt körperlichen und seelischen Ausgleich zur fordernden Aufgabe. Er kehrte zur Reiterei zurück und trat 1976 dem Reitverein Pforzheim-Hohberg bei. "Auf dem Pferd konnte ich abschalten, da war alles aus dem Alltag sofort vergessen", erzählt Nagel. Die Ruhe, die der Professor auf dem Hohberg fand, wich kurze Zeit später bereits einer verantwortungsvollen Aufgabe. Als 1978 nach Zwistigkeiten im Verein der damalige Reitlehrer übereilt den Hof verließ und sämtliche Schulpferde mitnahm, waren tatkräftige Vorstände gefragt. Nagel wurde zumPräsidenten gewählt und führte den Verein, der zu dieser Zeit den Reitschulbetrieb noch in Eigenverantwortung stemmte.

Aus dieser Zeit stammten die Anekdoten, die wir hier in unregelmäßigen Abständen veröffentlichen durften.Leider ist unser Ehrenpräsident im Mai 2017 im Alter von 89 Jahren verstorben. Der Reitverein Pforzheim - Hohberg wird Ihm für immer ein ehrendes Andenken bewahren. ThS

WIE DAS HAAG'SCHE TOR ENTSTAND

Zeitungsbericht über den Brand (Quelle: Pforzheimer Zeitung)
Zeitungsbericht über den Brand (Quelle: Pforzheimer Zeitung)

Nicht von Anbeginn der Zeiten hat die Reithalle auf dem Hohberg zwei Tore. Dass wir heute einen praktischen Durchlass zum Reitplatz auf der Nordseite haben, steht in engem Zusammenhang mit einem für den Verein einschneidenden Ereignis.

1981 brach auf dem Heuboden über den Stallungen ein Brand aus. Es wurde nie bewiesen, aber Professor Nagel geht von Brandstiftung aus - das Feuer entwickelte sich aus drei Brandherden. Meterhoch müssen die Flammen aus dem Dach geschlagen sein. 

Beherzt drangen Mitglieder des Vereins, zuforderst der neben der Anlage wohnende Fritz Kurz, in die verrauchten Stallungen ein und befreiten die panischen Pferde unter Lebensgefahr aus ihren Boxen. Professor Nagel erinnert sich daran, dass sein Pferd alleine drei Mal in seine Box zurück stürmte, weil es in der gewohnten Umgebung Schutz suchte. Wie durch ein Wunder überlebten alle eingstallten Pferde dieses Feuer, einige verletzt zwar durch die wilde Flucht über den Hohberg, doch am Leben. 

Mittlerweile war die Feuerwehr angerückt und mühte sich, den Schaden in Grenzen zu halten. Vor allem galt den Feuerwehrleuten unter der Führung des damaligen Kommandanten Wolfgang Haag die Sorge um die Reithalle. Die Flammen drohten überzugreifen und die tragende Leimbinder-Konstruktion des Gebälks anzugreifen. Kurzerhand ordnete Kommandant  Haag an, einen Durchbruch an der Nordwand zu schaffen, um die Halle von innen mit Wasser kühlen zu können.

Beim Wiederaufbau befanden die tatkräftig anpackenden Mitglieder das Loch in der Wand für praktisch. So blieb der Durchbruch und wurde mit einem Tor versehen. In Dankbarkeit und zur Erinnerung an den Feuerwehrkommandanten setzte sich für diesen Durchlass im Sprachgebrauch in der Folgezeit "Haag'sches Tor" durch. Eine Bezeichnung, die heute etwas in Vergessenheit geraten ist. Wir sollten sie wieder beleben.